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Rakija – Kroatischer Schnaps

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RakijaRakija ist das As im Ärmel, die Geheimwaffe gegen alles Schlechte, was dem Menschen passieren kann. Rakija tötet Bakterien ab, entlastet den Magen nach einem schweren Essen, lindert Muskelschmerzen, vernichtet Viren und desinfiziert sofort jede Wunde. Deshalb hat man Rakija früher auch “aqua vitae” (Lebenswasser) genannt. Doch nicht nur als medizinische Wunderwaffe findet Rakija Verwendung, denn dieser Schnaps wird sehr gerne und wirklich zu vielen Gelegenheiten getrunken. Gleich, ob Sie gerade erst aus dem Koma erwacht sind, oder im Begriff sind, mit Rollerblades auf der Straße unterwegs zu sein – mit Rakija machen Sie besondere Erfahrungen.

Wenn ein Gläschen Rakija nach ein paar Scheiben des feinen luftgetrockneten dalmatinischen Schinkens die Geschmacksnerven beruhigt, zaubert sein Geschmack sicher ein genießerisches Lächeln auf Ihr Gesicht. Dieser Schnaps ist ein natürliches Heilmittel, das bei zahllosen kleinen und großen Wehwehchen angewendet wird und ist das traditionelle Getränk, das überall in Kroatien auf den Tisch kommt. Wenn Sie nach Kroatien kommen, werden Sie Rakija bereits bei Ihrem ersten Halt nach der Grenze kaufen können. Doch Sie brauchen sich keine Gedanken darüber zu machen, dass dieses Getränk später nicht mehr erhältlich ist, Rakija können Sie überall in Kroatien, diesem mediterranen Juwel, kaufen. Rakija und die Menschen in Kroatien sind eine gelungene Kombination und wenn Sie zu einer Runde Rakija eingeladen sind, spüren Sie die wundervolle und echte Gastfreundschaft, die Ihnen in Kroatien überall begegnen wird.

Es gibt einen kroatischen Spruch: “Wenn du nicht den hausgemachten Schnaps probiert hast, dann hast Du überhaupt noch keinen Rakija probiert.” Sicher ist dies keiner von den teuren Werbeslogans, er ist wohl eher bei jemandem zuhause entstanden, vielleicht unter dem Tisch nach einer – Sie ahnen es – Flasche Rakija. Dieses Zeug, wenn es nicht sauber gebrannt wird, kann zu einem schlimmen Ende führen und schmeckt dann eher wie ein wirklich starker Sambuca.

Allerdings, wenn er richtig gebrannt wird, dann ist Rakija der im wahrsten Sinne trinkbare Beweis für die lange Tradition unserer Väter und Großväter, die lange zurück reicht bis in die Zeit, als die erste Rakija vielleicht irgendwo in Istrien aus einer Trüffel destilliert wurde.

Rakija  – Tradition und Erbe

Rakija-6Es stimmt, dass die verrückten Kroaten aus allem Schnaps brennen können, sogar aus einer Trüffel. Zur Hölle, ich habe Rakija aus Wassermelonen gebrannt, der mehr Kraft hatte als Vladimir Kličko. Erst gestern habe ich einen gesehen, der von Pinien gemacht war. Ich konnte ihn leider nicht probieren, denn es war die einzige Flasche und sie war nur zum anschauen. Das zeigt, wie selten diese spezielle Sorte von Rakija ist. Ich weiß davon auch nur, weil ein paar Wochen vorher jemand im Keller bei seiner Großmutter Rakija gebrannt hatte. Dies ist einer der wenigen Fälle, dass ein Rakija-Kenner wie ich etwas darüber erfährt, wie ein authentischer Rakija hergestellt wird, der dazu noch so selten ist wie ein Komodo-Drache.

Mein eigener Großvater machte noch Rakija in seinem eigenen kleinen Haus auf dem Lande. Es war für ihn das perfekte Hobby, wenn man darüber nachdenkt. Früher machte er auch selber Wein, doch als er älter wurde, wurde es mehr und mehr Rakija. Eigentlich war dies nur logisch, denn der Prozeß der Schnapsherstellung ist nicht so aufwendig und kompliziert, wie das Herstellen von Wein. Er besteht aus der Gärung und später dem Destillieren von Obst oder auch Gemüse, verschiedenen Kräuter, manchmal sogar Teilen von Bäumen, je nach dem, welchen Geschmack der Rakija haben soll. Die Kroaten sagen: “Wenn Sie etwas auspressen können, dann können Sie daraus Rakija machen.” Das ist auf den Punkt gebracht, was die Voraussetzung dafür ist, dass man daraus einen Rakija brennen kann.

Das Endprodukt war im wahren Wortsinn außergewöhnlich. Der Rakija meines Großvaters war so stark, dass bereits allein sein Anblick genügte, und man konnte spüren, wie der Körper sich selbst dadurch schon heilen konnte. Die niedrigste Menge an Alkohol, die ein alkoholisches Getränk haben sollte, sind so um die 20 %, sonst ist es eher ein Softtrink. Alles, was darunter ist, ist ein Milchshake, wenn wir schon über Rakijas reden. Der höchste gesetzlich zulässige Alkoholgehalt beträgt rund 60%. Diese besondere Art von Rakija, die ich noch erwähne, bevor ich davon ohnmächtig werde, ist völlig klar, so als ob man die Essenz vom Baum des Lebens destilliert und in Flaschen gefüllt hätte.

Tun und Lassen bei der Herstellung von Rakija

Rakija-5Die Frucht, die wir am meisten zum Brennen von Rakija verwenden, ist die Pflaume, auf Kroatisch “šljiva”. Daraus gebrachter Rakija hat deshalb auch den Namen “Sljivovica”. Um diesen göttlichen Nektar zu gewinnen, muß das Obst, also in diesem Fall die Pflaume, durch den Prozeß der Gärung und später der Destillation gehen. Das Ganze ist ein magischer Vorgang, denn wenn im Falle von “Sljivovica” die vergorenen Pflaumen zu früh destilliert werden, ist das Ergebnis schlecht, der in den Früchten enthaltene Zucker wird nicht genug erhitzt und sowohl Quantitiät als auch Qualität des Getränkes leiden darunter. Wenn Sie andererseits zu spät destillieren, ist die enthaltene Alkoholmenge zu niedrig und weniger als 20 % Alkoholgehalt ist nicht zu akzeptieren und darf sich nicht Rakija nennen. Der Trick besteht darin, die vergorenen Früchte etwa nach zwei bis drei Wochen in der Gärung zu destillieren. Die meisten machen es irgendwo um den 11. Tag und versuchen so, das ideale Maß für einen Rakija von höchster Qualität zu erreichen.

Ich war trotzdem davon überzeugt, dass das Getränk, das dann vor mir stand, die größte Errungenschaft meines Lebens ist, und nahm zuversichtlich einen Schluck Schnaps, so wie ich es bereits viele Male vorher gemacht hatte. Das Gefühl war im wahrsten Sinne atemberaubend. Es schoss mir durch die Kehle und noch lange bevor es überhaupt in meinem Magen war, hatte es auf dem Umweg über meinen Rücken meine Knochen durchdrungen. Sofort spürte ich, wie eine Welle der Erleichterung durch mich ging. Die Wärme, die mich gleich danach durchflutete, ließ meine gefühlte Körpertemperatur sprunghaft auf tausend Grad steigen und ich schwitzte so stark, als ob ich ein ein höllisch scharfes Chimichanga gegessen hätte.

Ich nannte meinen Schnaps “Rakija aller Rakijas”, denn wenn Sie von diesem Rakija trinken, dann wissen Sie, wie Rakija schmecken und wirken muß. Dann ging ich zu Boden. Das Getränk wurde ein Knaller bei den Einheimischen, die das Thema Geschmack nie diskutierten. Einige waren einfach froh, dass sie diesen Rakija trinken konnten. Viele von ihnen vergoren und brannten selbst, aber niemand war in der Lage, das Verhältnis von Alkohol und Geschmack so gut zu herzustellen, wie mein Großvater. Er war auf diesem Gebiet ein absoluter Perfektionist.

Schnapssorten

Nicht nur der traditionelle “Sljivovic”, den man vor allem im Norden des Landes trinkt, sondern noch viele andere Sorten von “Rakija” gibt es in Kroatien und es wird Ihnen bestimmt ein großes Vergnügen bereiten, diese kennenzulernen. Es ist wahr, dass die Kroaten Schnaps aus fast allem brennen, doch hier möchte ich mich auf die Standard-Sorten beschränken, die auch in bei den vielen fröhlichen Kroaten für Leib und Seele sorgen.

Travarica

Travarica ist ein Klassiker und typisch für den Süden Kroatiens. Seinen Namen hat er von “Trava”, was “Gras” bedeutet, denn das besondere Aroma dieses Rakijas kommt von der Vielzahl unterschiedlicher Kräuter, die in die Flasche mit dem Schnaps gefüllt werden. Jeder Haushalt und auch jedes Dorf hat sein eigenes Rezept, weshalb es auch so viele Varianten davon gibt, wie es Heilkräuter gibt. Manche nennen dieses Getränk auch “den Arzt”, denn ihm wird zusammen mit “Sljivovica” eine heilende Wirkung nachgesagt. Meistens findet man in Travarica Kräuter wie Minze, Lavendel, Rosmarin, Salbei, wilden Fenchel etc. Bei Rücken- oder Gelenkschmerzen hilft nichts auch nur annähernd so gut, wie eine Massage mit etwas von dem guten alten Travarica. Sein Duft ist – vorsichtig ausgedrückt – faszinierend, doch die Linderung der Schmerzen ist das auf jeden Fall wert.

Medica

Medica gehört zu den beliebtesten Schnapssorten in Kroatien. Zwar ist Medica eher spezifisch für Istrien, aber man kennt ihn im ganzen Land, und durch seinen lieblichen Geschmack hat er schnell überall Anhänger gefunden. Dieser Schnaps wird mit Honig versetzt und mit Propolis gewürzt. Manchmal wird er auch als “Medovina” bezeichnet, doch das ist falsch, denn – wie der Name schon sagt  – ist Medovina ein Wein mit Honig, also ein völlig anderes Getränk.

Medica ist ein Teufel in Verkleidung. Durch seine Süße fließt er wunderbar durch die Kehle, doch Sie sollten vorsichtig sein und aufhören, bevor es zu spät ist. Dieser Schnaps wirkt noch noch lange nach, auch wenn es schon Stunden her ist, dass Sie das letzte Glas davon geleert haben. Zwar ähnelt er durch seinen süßen Geschmack eher einem Likör, doch von einem solchen ist er in seiner Wirkung Meilen entfernt. Also seien Sie vorsichtig, wenn man Ihnen einen Medica einschenkt, trinken Sie ihn mit Bedacht und achten Sie vor allem darauf, wo er herkommt. Auf jeden Fall wird der beste Medica immer noch in Istrien hergestellt.

Lozovaca (Loza)

Es ist schwer, einen wirklich guten Loza zu finden, denn dieser Schnaps wird oft mit den unterschiedlichsten Kräutern aromatisiert und das überdeckt dann den Geschmack des ursprünglichen Alkohols. Der industriell hergestellte  (ja, auch den gibt es) wird bei starken Zahnschmerzen empfohlen, vor allem, wenn es sich dabei um eine Entzündung handelt. Nichts, nicht einmal Schmerzmittel, betäubt Ihren Zahn wirkungsvoller, als ein Glas Loza.

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Klar, der wahre Kenner wird Ihnen sagen, dass es unglaublich viele verschiedene selbstgebrannten Lozas gibt, und das ist nicht gelogen. Doch wenn Sie unerfahren im Genuß von Rakija sind, sollten Sie lieber vorsichtig sein und Loza meiden, bis Sie im Umgang mit den harten Getränken mehr Übung haben. Ebenso wie “Komovica” hat Loza einen ganz eigenen Geruch und Geschmack, den manche eher als abstoßend empfinden können. Diese Art von Getränken kann man zwar ab und zu genießen, doch sollten Sie das nicht zu oft machen. Wenn Sie also kein Hardcore-Trinker sind, für den auch Absinth wie ein Kindergetränk ist, dann passen Sie gut auf, denn sonst kann es Ihnen passieren, dass dieser Schnaps Sie außer Gefecht setzt.

Komovica

Es ist schwer, diese Sorte von Rakija zu empfehlen, denn im Grunde genommen gilt für ihn genau das gleiche, wie  für Loza – nur noch fünfmal schlimmer. Dieser Schnaps wird aus den Überresten bei der Weinherstellung gemacht, genau so wie Loza. Diese Reste werden destilliert und so erhält man Komovica. Man versetzt den Schnaps auch noch mit den unterschiedlichsten Kräutern, um ihm einen besonderen Kick zu verleihen. Es gibt ein altes kroatisches Sprichwort:  “Man darf nie etwas wegwerfen, ganz gleich, wie schlecht es ist“, und ich wette, das kommt auch bei der Herstellung dieses Getränkes zur Anwendung. Man trinkt diesen Schnaps vor allem in den kontinentalen Regionen von Kroatien, zum Beispiel in Slawonien, wo der gewöhnliche Rakija-Trinker den Unterschied zwischen Loza und Komovica nicht einmal merken kann. Das ist auch kaum möglich, wenn man ihn das ganze Jahr und bei jeder Gelegenheiot – außer beim Schlafen – trinkt. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, zögern Sie nicht, jemanden in Slawonien zu fragen und man wird Ihnen gerne alles Wissenswerte über Komovica, die böse Schwester von Loza, erklären.

Viljamovka

Dieser Schnaps ist typisch für die Region im Nordosten von Kroatien und gehört zu den besten alkoholischen Bränden im Land. Er wird aus Birnen destilliert und ist nicht zu verwechseln mit dem Likör, dem “Kruskovac”, der eine leuchtend orangerote Farbe hat und manchmal mit einem Schuß Milch vermischt getrunken wird. Vilijamovka ist einer von den Rakijas, die rein aus nur einer Obstsorte, die reich an Zucker und Säuren sind, hergestellt wird. Er wird auch beim Trinken nie mit irgendetwas gemischt und besitzt eine wunderbare Klarheit und einen ganz speziellen fruchtigen Geschmack.

Mastika

Rakija-3Auch wenn es eigentlich kein traditioneller Schnaps in Kroatien ist, so wird diese mazedonische Sorte von Rakija doch in Kroatien getrunken und hat sich im Laufe der Jahre ihren Platz auf der Getränkeliste erobert. Die industriell produzierte Variante besitzt keinerlei medizinischen Wert. Doch eine hausgemachte Mastika hat einen so intensiven Gerucht wie starke Sambuca und genauso wie Sambuca, wird sie mit Anis hergestellt, einer Pflanze, die für ihre wohltuende Wirkung auf die Atemwege und den Magen bekannt ist. Aber es gibt auch Menschen, die den kräftigen Geschmack von Anis und Menthol eher abstoßend finden.

Abgesehen von ein paar kleinen Unterschieden, ist die mazedonische Mastika identisch mit dem griechischen “Uuzo” oder dem türkischen “Raki” – und alle drei können Sie umhauen. Anders als gewöhnlicher Schnaps, der meistens in 0,03 dl-Gläsern serviert wird, erhalten Sie Mastika in größeren Gläsern von 1 dl, denn er wird anschließend mit Wasser aufgegossen, was ihm ein milchig-trübes Aussehen und den aromatischen Geschmack verleiht.

Orahovica

Es handelt sich bei diesem Getränk eher um einen Likör, der aus noch jungen Walnüssen, kroatisch “Orah” gemacht wird, die man bis spätestens Mitte Juni ernten muß. Sein Alkoholgehalt ist nicht so hoch wie bei einem reinen Schnaps und zur Herstellung verwendet man außer Zucker und einem guten klaren Alkohol oft noch Gewürze, wie zum Beispiel Nelken, die seinen Geschmack beeinflussen, der voll und intensiv ist. Walnüsse finden für Vieles Verwendung, sowohl innerlich als auch äußerlich. Eine Tinktur daraus stärkt die Haarwurzeln, ihr Öl hilft beim Sonnenbaden dabei, schnell eine dunkle Haut zu bekommen und die Nüsse sind sehr gut bei Gastritis und besitzen gesunde Fette.

Schon allein deshalb ist Orahovica ein wahres Wundermittel. Die dunkelbraune Farbe des Likös ist in ihrer Intensität davon abhängig, wie lange die noch unreifen Nüsse im Alkohol liegen und der Geschmack ist eine angenehme Kombination von Süße und ganz leichter Säure.

Biska

Den meisten von Ihnen ist diese Pflanze besser unter dem Namen “Mistel” oder dem kroatischen “imela” bekannt. Ihre Früchte sind giftig, doch die Stiele und Blätter der Pflanze werden als Heilmittel verwendet. Früher behandelte man damit Epilepsie, hohen Blutdruck, hormonelle Störungen und Herzbeschwerden.

Vor allem in Istrien wird Biska noch in vielen Familien hergestellt und in der Ortschaft Vrh haben angeblich die Bewohner ein Geheimrezept, das außer der Mispel noch drei weitere Kräuter enthält. Diese Biska aus Vrh hat einen ganz speziellen Geschmack und da fast jede Familie etwas variiert bei den Zutaten, gibt es hier eine große Vielfalt an unterschiedlichen Biskas.

Allerdings bedeutet das nicht, dass Biska nur auf diesen Ort begrenzt ist, allerdings macht man hier wohl die beste Biska, die Sie in Istrien finden werden. Denn obwohl noch viele andere Orte in Istrien stolz auf ihre Biska sind, werden Sie mit Sicherheit nur in Vrh eine Biska finden, die den Genuß zu einem wirklichen Erlebnis macht.

Višnjevac

Auch Visnjevac ist ein Likör, der aus einer dunklen säuerlichen Kirsche (“višnja”) hergestellt wird. Die Kirschen werden gewaschen und zusammen mit Zucker in Loza oder Komovica in ein großes Glasgefäß gefüllt. Dann stellt man sie an einen Ort, an dem sie ihre Farbe und ihren Geschmack an den Alkohol abgeben. Dadurch entsteht eine süße dunkelrote Flüssigkeit, die mit ihrem intensiven Geschmack beim Verkosten zu einem wahren Genuß für ihre Zunge und ihren Gaumen werden wird. Es ist leicht, diese Art von Rakija zu manipulieren, aber Sie werden schnell merken, ob es sich nur um Kirschsaft mit ein wenig Alkohol handelt oder um einen handwerklich sorgfältig hergestellten echten Kirschlikör.

Für die Herstellung brauchen Sie weder ein eigenes Haus, noch einen Garten oder ein Fass. Die Kirschen können Sie auch auf dem Balkon Ihrer Wohnung mit Alkohol vergären. Wichtig ist ausschließlich das richtige Verhältnis von Kirschen, Zucker und Alkohol. Ein altes Rezept empfiehlt die Zugabe von etwas Rum, durch den der Geschmack noch um ein Vielfaches besser sein soll.

Andere Sorten von alkoholischen Getränken

Es gibt noch viele andere Sorten Schnaps, als in diesem Artikel beschrieben werden. Selbst aus Oliven, Spargel, Brennesseln, Pinien und Sonnenblumen wird Rakija gebrannt. Jeder dieses Schnäpse ist dazu geeignet, jede einzelne Zelle Ihres Körpers neu zu  beleben und fast jeder davon hat seinen Ursprung in der Region Istrien, in der wirklich die besten Rakijas hergestellt werden. Im Herbst, wenn alle Arbeiten, die noch vor dem Winter zu erledigen sind, abgeschlossen wurden, lieben es die Menschen dort auf dem Land, mit allen möglichen Kräutern, Früchten und sonstigen Zutaten zu experimentieren und es entsteht so manche Überraschung beim Brennen von Rakija. Hin und wieder ich etwas über eine neue Sorte Rakija, die irgendeinem Landesteil von Kroatien hergestellt wurde, doch es gibt eigentlich keinen Wettbewerb um den originellsten Schnaps. Allerdings werden oft die Zutaten und die Mischungsverhältnisse streng geheim gehalten.

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Wenn Sie zum Beispiel nach Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens, kommen, dann werden Sie viele Orte finden, an denen Sie zwar einen Schnaps trinken können, doch nur wenige, an denen Sie einen echten selbst gebrannten erhalten. In Zagreb ist für einen hausgebrannten Schnaps der beste Platz die winzige Bar “Cica” (das bedeutet auf kroatisch soviel wie “Titte”) in der Tkalčićeva Ulica im Herzen von Zagreb und nur ein paar Meter entfernt vom Ban Jelacic-Platz. Im Inneren der Bar finden höchtens 20 bis 30 Personen Platz, aber draußen spielt sich sowieso das wirkliche Geschehen ab. Diese Bar ist praktisch jeden Tag bis auf den letzten Platz besetzt, vor allem nach Sonnenuntergang. Ich habe Touristen gesehen, die per Zufall über diesen Ort gestolpert sind und nur einen Schnaps trinken wollten, obwohl sie eigentlich gar nicht wußten, was ihnen angeboten wird. Schon beim ersten Schluck weiteten sich ihre Augen und es war eigentlich immer nur eine Frage der Zeit, bis sie noch einen zweiten bestellten und einen dritten und so weiter. Was sie allerdings noch nicht wußten, das war das, was später kommen würde, wenn sie die Bar verlassen würden. Der Kick kommt nämlich erst etwas später und so kann der Heimweg für nicht ortskundige Besucher zu einem Problem werden. Die berühmtesten Rakijas, die Sie beim Besuch der Cica-Bar probieren sollten, werden hergestellt aus Rosenknospen oder aus Kastanien. Diese Brände sind wirklich absolute Spitzenklasse und wenn Sie den Besitzer danach fragen, woher er sie hat, wird er es Ihnen nicht einmal sagen, wenn sein Leben auf dem Spiel stehen würde.

In Istrien können Sie eigentlich nichts falsch machen, egal wo Sie einkehren, es gibt immer einen ausgezeichneten hausgemachen Rakija. Vermeiden Sie allzu schicke Restaurants, denn dort finden Sie eher gutes Wasser als gute Rakija. Mein Rat: gehen sie in die örtlichen kleinen und oft versteckt liegenden Tavernen in Istrien, denn dort sind die wahren Meisterwerke des Rakijas erhältlich. Da Istrien meine Heimat ist, kehre ich dorthin oft zurück und habe so vor kurzem erst eine Taverne entdeckt, in der etwa 20 unterschiedliche Sorten von hausgebrannten Schnäpsenhinter der Theke stehen. Rakija ist in ganz Kroatien erhältlich und so ist es nur eine Frage der Zeit, bevor unsere Einkäufe von unzähligen Sorten dieses exklusiven Getränkes sich in unserem Haus stapeln. Doch auch Rakija in seinen ausgefallensten Varianten ist immer noch ein Getränk, das für jedermann in Kroatien erschwinglich ist.

Von Istrien über Dalmatien und bis nach Dubrovnik wurde das Trinken von Rakija immer von Generation zu Generation weitergegebenund Schnaps ist so schnell zum traditionellen Getränk des ganzen Landes geworden. Sie brauchen wirklich nur einen Tropfen zu probieren und werden sofort wissen, dass Rakija einen langen Weg gegangen ist.

Feiern mit Rakija

Zu Anfangs war Raija ein Getränk, das zu wichtigen gesellschaftlichen Anlässen getrunken worden ist. Bei einer Hochzeit zum Beispiel, mußte nach einem Toast auf die Brautleute zur Bekräftigung der guten Wünsche unbedingt ein Glas Schnaps getrunken werden. Auch beim Kauf eines Hauses oder einer Wohnung ist es unverzichtbar, unmittelbar nach der Unterzeichnung des Kaufvertragesein Glas Rakija zum Abschluß des Geschäftes zu trinken. Mich hat es erstaunt, dass bei der Taufe eines Sohnes der Priester tatsächlich Wasser und nicht auch Rakija verwendet hat. Aber bald nach dem Ereignis wurde das kompensiert durch die ordentlichen Mengen Schnaps, die auf der anschließenden Feier durch die Kehlen geflossen sind.

Aber eigentlich ist doch ganz klar, dass es nicht ein besonderer Anlaß sein muß, um mit diesem guten Kumpel einen lustigen Abend zu verbringen. Alles, was ich brauche, ist ein Rezept oder ein Lieferant, der Rest sind doch nur Ausreden, und von denen gibt es Gott sei dank genug. Wenn ich hungrig bin und mich zu Tisch setze: Hmmmm, was für eine wundervolle Gelegenheit, einen Magenöffner zu sich zu nehmen. Also ein Gläschen kurz vor dem Mittagessen, vor dem Abendessen … oder vor dem Brunch? Dann kommt der Winter und ich muß draußen Holz für den Ofen holen. Gott sei Dank habe ich meine Rakija,die mich draußen in der Kälte warm hält. Kopfschmerzen? Verdammt, ich bin so froh, dass ich Rakija habe. Eine weltweite Epidemie kommt auf mich zu, sagen Sie? Ich gehe jetzt besser gleich und bade in Rakija. Wie auch immer, Sie werden schnell einsehen, dass Rakija in jeden Haushalt gehört, genau so selbstverständlich wie Salz und Zucker.

Danke an Moreno für diesen Einblick und die Geschichte der Rakija.

 

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